Willkommen in Schwabylon | ERKUNDUNGSTOUR
SPOILERALARM Es wird empfohlen, zuerst Kapitel 3 der Taubenkönig-Manuskripte zu lesen, bevor ihr hier weiterscrollt, da die Stationen der Tour Spoiler zur Geschichte enthalten können.

Kapitel 3 Die Krönung des Taubenkönigs
Die folgende Tour bringt euch an die realen Schauplätze aus Kapitel 3 rund um das ehemalige Freizeit- und Einkaufszentrum Schwabylon mitten in Schwabing (Stadtteil von München). Die Runde lässt sich in einer gemütlichen Stunde laufen – es sei denn, ihr seid auf der Suche nach dem legendären Lichtfaßsäulen-Schatz … dann könnte es etwas länger dauern! 🙂 Was auch immer euer Ziel der Reise ist, falls ihr Fotos macht, postet sie gerne unter dem Hashtag #folgedemtaubenkoenig auf Social Media oder markiert @dertaubenkoenig für einen Story-Repost. Viel Spaß! EUER Kollektor

Start Schwabylon Gate / Schwabinger Tor
- Wir starten an der Tramhaltestelle »Schwabinger Tor« direkt an der Leopoldstraße, die mit seinen beiden Flügelkonstruktionen (einer Hyparschale mit jeweils 30 Tonnen Stahl) einen optischen Bogen spannt und als Eintrittspforte für das Stadtquartier Schwabinger Tor sowie das erweiterte Schwabylon-Viertel dient. Ob die Architekten ( ↠ Felix Fischer Architekten) bei der Gestaltung ihrer öffentlichen Skulptur bereits eine Reminiszenz an den Taubenkönig vorhersahen ist nicht überliefert.
- An der Stelle des neuen Quartiers standen einst ein Metro-Großmarkt, ein Holiday Inn Hotel sowie der legendäre daran angegliederte Yellow Submarine Nachtclub, die 2013 allesamt abgerissen wurden. Das erste Wohnhaus des Quartiers konnte Ende 2015 bezogen werden. Die Tramhaltestelle wurde im Dezember 2018 eröffnet.
- Die Freiflächengestaltung von ver.de orientiert sich an Kunstwerken des Jugendstils und des Blauen Reiters und soll als Würdigung der einst florierenden Schwabinger Kunstszene verstanden werden. Betrachtet man die steinerne Fläche an der Tramhaltestelle aus der Vogelperspektive, sind Anleihen an das Ölgemälde »Hauptweg und Nebenwege« von Paul Klee (1929) gut zu erkennen ( ↠ Bild von oben, Besco GmbH)
- Auf dem Tramplatz findet jeden Freitag ein Wochenmarkt statt
- Das Tor ist nicht mit dem historischen, mittelalterlichen Schwabinger Tor zu verwechseln




POI Tiefgarage Schwabinger Tor
- Die von der Jost Hurler Gruppe (Projektträger des Schwabinger Tor Stadtquartiers) als Deutschlands größte und modernste bezeichnete Tiefgarage war in den ersten Jahren ihrer Fertigstellung Schauplatz zweier äußerst gelungenen Kunstausstellungen im Rahmen der Langen Nacht der Münchner Museen:
- »Coral North« (Oktober 2016), Gegenwartskunst kuratiert von easy!upstream, u. a. mit »Kilowatt Dynasty 2000« von Saskia Olde Wolbers und Jean Lee. »Die gezeigten Arbeiten verhandeln Fragen nach „artificial nature“, surrealen Welten, Materialtransformationen und biomorphen Formsprachen und bewegen sich dabei im Spannungsfeld zwischen einer zunehmend digitalen Ästhetik und der greifbaren und analogen Umsetzung im Medium wie im Raum. […] Die Tiefgarage wird gleich einem Betonriff zum Leben erweckt – ein gemeinsames Vordringen in unbekannte Welten.« A/M
- »DIGITAL ECHO« (Oktober 2017), interaktive Sound- und Lichtinstallation von Yves Peitzner und mayer +empl. »In the digital era, communication is triggered by algorithmic impulses, which are beyond our control and develop their own grotesque, yet invisible momentum. […] As space reacts to humans – and humans to space – the spectacle that comes to life is mirroring the digital echo chamber, a phenomenon that came to life when digital and social media became dominant means of communication.«
- Die 1. Verkündung des Taubenkönigs nutzte die Tiefgarage als Kulisse



POI Yellow Submarine
- Am Beginn der öffentlichen Grünanlage Berliner Straße (direkt vor der Leopoldstraße 202) befand sich einst der weit über München hinaus bekannte Nachtclub »Yellow Submarine« (damals Leopoldstraße 194), der nach dem gleichnamigen Beatles-Song benannt wurde. Im Innern glich der Club einem mehrstöckigen U-Boot, das mit einer riesigen Aquariumwand mit Bullaugen aus Panzerglas umgeben war, die 650.000 Liter Meerwasser fasste und in dem dutzende Haie und einzelne Riesenschildkröten schwammen (ob sich auch eine Krake darunter befand, wie in alten Pressemeldungen verlautbart wurde, konnte nicht verifiziert werden) und die auch als »Taucherglocke« beschrieben wurde. Architekt Werner Eyerer in der tz: »Sonst stehen die Menschen immer vor dem Aquarium und schauen den Fischen zu. Bei uns ist es genau umgekehrt.«
- Im April 1971 feierte das Yellow Submarine, das an das damalige Holiday Inn Hotel angegliedert war, Eröffnung, 1981 schloss es, wurde aber noch bis in die 90er Jahre unter unterschiedlichen Namen (»Aquarius«, »Hamlet«, »Fridays«) weitergeführt und auch in den 00er Jahren noch für einzelne Veranstaltungen genutzt.
- Im Jahr 2013 erfolgte der Abriss der »Haifischdisko« unter Protest einzelner Bürger, die den Ort gerne als Baudenkmal erhalten hätten. Noch heute* sieht man dort eine Plakette einer Initiative kleben, die für ein »Pop-Architektur-Denkmal« wirbt und einen Raum für sozio-kulturellen Austausch schaffen möchte ( ↠ Zukunft Disco – Gedenken Yellow Sub / Max Zeidler)
- *Der Platz ist zurzeit umzäunt und nur von außen einsehbar, da er als Anlieferungs- und Lagerfläche für die Baustelle an der Leopoldstraße 202a genutzt wird
Bild Yellow Submarine (1974): Pacific11, Wikimedia Commons, CC BY 2.0





Station 1 Ehemaliges Schwabylon / Dinosaurierkopf
- Das ehemalige Freizeit- und Einkaufszentrum Schwabylon residierte unter der Adresse Leopoldstraße 200, München. Heute befindet sich dort das Timehouse (»Serviced Apartments« an der Leopoldstraße 204a) und zwei weitere graue Wohngebäude, die im krassen Kontrast stehen zu dem durchdachten und lebensfrohen Farbkonzept des ehemaligen Pop-Bunkers mit der aufgehenden Sonne auf seiner emaillierten Fassade. Zwischen diesen drei Gebäuden liegt ein kleiner Spielplatz auf dem der aus Kapitel 3 der Taubenkönig-Manuskripte bekannte Dinosaurierkopf-Stein zu finden ist.
- Die Geschichte der 1973 eröffneten, 1974 geschlossenen und 1979 abgerissenen Stufenpyramide des Architekten Justus Dahinden – der das Projekt einst als »urbano-soziales Experiment« bezeichnete – erfreut sich noch heute großen Interesses. Hintergründe zum Bau und der Vision Justus Dahindens findet ihr im Hauptartikel unter ↠ Zentrum Schwabylon
- Auf dem dargestellten Lageplan des Schwabylon-Komplexes sind die zahlreichen Läden und Freizeiteinrichtungen des Areals eingezeichnet. Die großen Bäume des damaligen Biergartens (auf der linken Seite des Plans = Norden) können hierbei als Orientierung vor Ort dienen, da sie auch heute noch im Pausenhof der Bavarian International School stehen
»Schwabylon ist […] nicht nur eine bloße Ansammlung von Attraktionen und Kuriositäten, Schwabylon ist eine Idee. Sie ist ein Stückchen Zukunft […] eine ‚Stadt in der Stadt‘. / [Ein] Anziehungspunkt für Menschen jeden Alters und aller Schattierungen […] Hier sieht man und hier wird man gesehen. […] ein vielfältiges Gemisch, das von der Sprachverwirrung nicht gestört wird, sondern […] dazu beiträgt[,] sie zu überwinden.«
Werbeblatt, »Schwabylon Nachrichten«, 3.11.1973, intervox
Bild Schwabylon & Lageplan: gta Archiv / ETH Zürich (Justus Dahinden). Mit freundlicher Genehmigung.





Station 2 Leuchtturm Schwabylon
- Auch die zum Schwabylon-Komplex dazugehörigen Hochhäuser des Architekten Ernst Barth an der Leopoldstraße 206 und 202 existieren noch heute
- Beide Wohngebäude waren ursprünglich durch ein gemeinsames Farbkonzept (gelb, orange, rot) miteinander verbunden. Dieses wurde durch die Renovierung der 202 im Jahr 2022 und der damit einhergehenden Übermalung aller rötlichen Elemente leider aufgegeben
- Im Keller der 206 befand sich das mittlerweile nicht mehr vorhandene Schwabylon-Schwimmbad. Die Luftröhren und eine Glasüberdachung sind jedoch immer noch auf dem hinteren Parkplatz des Gebäudes sichtbar
- Der mittige Turm der 206, dessen Treppen als Notausgang dienen und der mit einer orangen Notbeleuchtung ausgestattet ist, beheimatet eine Vielzahl liebenswürdiger Stadttauben. Auf der Spitze des Turms befindet sich der Legende nach der sagenumwobene »Thron des Taubenkönigs«
- Bild 3: Ein seltenes Foto des Kollektors mit Heft #1 der Taubenkönig-Manuskripte auf dem Dach des Hochhauses 206 und einem Fingerzeig zum Leuchtturm. Weitere Artefakte und Reliquien im Besitz des Münchner Kunstsammlers findet ihr im Schwabylon-Sammlungsverzeichnis




Station 3 Kubus im See / Intersection
- Installation des Fotografen Roland Fischer (* 1958 in Saarbrücken) im Auftrag der Munich Re Art Collection / MEAG; Fotoglas, Licht, Metall, Beton; 4 x 13 x 4 Meter; Am Münchner Tor
- Bild 1: »Kubus im See« (2002-2004): Ursprüngliche Gestaltung mit transparenter Verkleidung und Lichtquelle
- Folgende Bilder: »Intersection« (2020): Neugestaltung
- Die graphischen Details beziehen sich auf Fotografien der Serie »Fassaden / Façades« – »visuelle Extrakte aus Hochhausfassaden der großen Metropolen unserer Welt […] Der Titel ‚Intersection‘ verweist nach Aussage [Roland Fischers] ‚subtil auf den demokratischen Aspekt der Globalisierung, dessen Überleben durch aktuelle politische Entwicklungen mehr und mehr gefährdet erscheint‘«; Veröffentlichung MEAG
- Roland Fischer lebt und arbeitet in München und Peking. Seine Werke sind Teil zahlreicher internationaler Ausstellungen, u. a. in Musée d’Art Moderne Paris, Pinakothek der Moderne München, The Photographers Gallery London (↠ www.rolandfischer.com)




Station 4 Schriftsäule
- Achteckige Schriftsäule des Bildhauers Leo Kornbrust (* 1929 in St. Wendel, † 2021 ebenda) aus dem Jahr 1985, schwarzer Granit, 850 x 60 x 60 cm, WVZ-Nr. 265 (↠ Werkverzeichnis der Skulpturen 1952-1999. Hrsg.: Museum St. Wendel. Cornelieke Lagerwaard / Katja Hanus, 1999); Berliner Straße
- Leo Kornbrust studierte in den 50er Jahren an der Akademie der Bildenden Künste München und nahm dort ab 1978 eine Professur am Lehrstuhl für Bildhauerei in Verbindung mit Architektur ein. 1971 begann er in St. Wendel die Vision des Bildhauers Otto Freundlich einer »Straße der Skulpturen« zur Völkerverständigung innerhalb Europas zu verwirklichen (↠ »Europäische Skulpturenstraße des Friedens«)
- Der sich um die Stele windende, sandgestrahlte Text stammt von der saarländischen Schriftstellerin und Lyrikerin Felicitas Frischmuth, Spitzname »Fee« (* 1930 in Berlin, † 2009 in St. Wendel), die u. a. 1982 den Kunstpreis des Saarlandes erhielt
- Felicitas Frischmuth und Leo Kornbrust heirateten 1958. Die Stiftung Frischmuth/Kornbrust – Skulptur und Poesie mit Sitz in St. Wendel (Vorstandsvorsitzende Cornelieke Lagerwaard) führt ihr Lebenswerk fort und fördert Kunst und Literatur u. a. am ehemaligen Wohnhaus der beiden (↠ www.damra.de)
- Das vollständige Gedicht der Schriftsäule kann in Heft #3 der Taubenkönig-Manuskripte nachgelesen werden. Der Abdruck geschah mit freundlicher Genehmigung der Stiftung Frischmuth/Kornbrust. Herzlichen Dank an Cornelieke Lagerwaard und Sarah Noh diesbezüglich. Der Text erschien ebenso im Werkverzeichnis der Skulpturen von Leo Kornbrust, 1999 und im Gedichtband »Nach einer Seite fliegt mein Herz heraus« (Landau/Pfalz, 1985) von Felicitas Frischmuth


Station 5 Nymphenburg-Biedersteiner Kanal
- Teil des von Kurfürst Maximilian II. Emanuel im 18. Jahrhundert angelegten Nordmünchner Kanalsystems, das zum Transport von Waren und Personen konzipiert wurde und sich schnell zum Anziehungspunkt für Badegäste entwickelte, was wiederum zur Ansiedlung von Gastbetrieben und Kleinbrauereien entlang der Wasserläufe führte
- Der Kanal speist den Schwabinger See und wird an dieser Stelle auch als »Schwarze Lacke« bezeichnet




POI Schwabinger See
- Zwischen Leopoldstraße und Ungererstraße (bzw. der damals weiter östlich gelegenen Berliner Straße) lag einst der Schwabinger Güterbahnhof, der in den 80er Jahren stillgelegt und nach dem Abbau der Gleise durch die Münchener Rückversicherungs-Gesellschaft in das Wohngebiet »Berliner Viertel« umgewandelt wurde
- Das Viertel – als Gartenstadt konzipiert – gilt als »Meilenstein des sozialen Wohnungsbaus«
- Im Zuge der Neugestaltung des Areals entstand auch der künstlich angelegte Schwabinger See, der in und um das Wasser eine artenreiche Flora und Fauna entstehen ließ
- Im See befinden sich zwei für Menschen unzugängliche Biotop-Inseln, die als Rückzugsort für zahlreiche Wasservögel dienen, wenn nicht gerade ein Biber dort randaliert
- Südlich des Sees schließt das Gelände des beliebten Ungererbads an, das bereits um das Jahr 1900 in Form eines Naturbades eröffnet wurde




Station 6 Madame Tristesse / Große Hockende
- »Große Hockende«, Steinfigur von Bildhauer Wilhelm Uhlig (* 1930 in Guttenberg, † 2022 in Nürnberg), 1986, Elbsandstein, Höhe: 235 cm; Schwabinger See Nordufer
- Wilhelm Uhlig studierte in den 50er Jahren an der Akademie der Bildenden Künste Nürnberg und übernahm dort 1972 eine Professur
- Das Werk Uhligs umfasst neben Ganzkörperfiguren und Büsten (u. a. von Albert Einstein) auch viele Darstellungen von Tauben
- Auszug aus eigener Biographie in Stichworten: »1957: Studium an der Akademie vorläufig beendet, das Studium geht im eigenen Atelier weiter, es entsteht die Figur „Inge“. Beschäftigung mit Tauben für einen Hl. Geist für die Kanzelin der Wöhrder Kirche in Nürnberg, dazu auch die Evangelisten. Ich kaufe mit den letzten 3 Mark eine Taube als Modell.«*
- Ebenso war er ein begeisterter Segler: »Mit 14 Jahren lief ich von zu Hause weg und ging auf eine Marineschule, fuhr dann mit 15 Jahren als Schiffsjunge auf einem Motorschiff und war auf dem Dreimastschoner „Schwarzer Husar“, auf der „Padua“, einer Viermastbark, der heutigen „Kruzenstern“ und segelte mit einer Yacht von Glücksburg nach Sønderborg. Es war damals noch die Zeit der Holzschiffe, Glasfaserboote gab es noch nicht. Mein „Holzspitzgatter“ entspricht meiner Jugendliebe. Die Seefahrt läßt mich alles vergessen und ich brauche Monate, um wieder Boden unter den Füßen zu bekommen.« Wilhelm Uhlig in »TAGE-HORNET«, Segelclubzeitschrift Ringkøbing, Oktober 1991*
*abgedruckt in Uhlig, Wilhelm; Gertz, Ulrich; Schmoll Gen. Eisenwerth, J. A.; Pfarrer Wirth, Josef (1991). Der Bildhauer Wilhelm Uhlig – Arbeiten aus vierzig Jahren. Vier-Türme-Verlag, Münsterschwarzach

Station 7 Podest
- Aus Betonblöcken und Granitpflaster errichtetes Podest mit sechs Säulen-Pappeln direkt am Schwabinger See
- In den moosigen Pflasterfugen wächst die Rispen-Flockenblume


POI Berolinabrunnen
- Trinkwasserbrunnen des Bildhauers Ernst Andreas Rauch (* 1901 in Teisendorf, † 1990 in München), 1980, Johann-Fichte-Straße
- Die Figur der »Berolina« stellt die Personifikation der Stadt Berlin dar. Die Gestik ihrer Hand suggeriert die Trennung des emporsteigenden Wasserstrahls in zwei Teile, um auf die jahrzehntelange Teilung der Stadt hinzuweisen




POI Tantris
- Das 1971 von Fritz und Sigrid-Ursula Eichbauer eröffnete Tantris (bedeutet im Buddhismus »Suche nach Vollkommenheit«) zählt zu den 15 besten Restaurants Deutschlands und wird regelmäßig mit mindestens zwei Michelin-Sternen ausgezeichnet. Eckart Witzigmann war der erste Küchenchef.
- Justus Dahinden, der Architekt des Schwabylons, entwarf das Gebäude
- 2012 wurde das Restaurant und das angrenzende brutalistische Wohnhochhaus (von Architekt Hans-Busso von Busse) als bauliche Einheit unter Denkmalschutz gestellt
- Die Beton-Skulpturen, die an Fabelwesen erinnern, stammen von Bruno Weber


POI Spielplätze
- Bild 1: Der südliche Spielgarten wurde von Wassily Kandinskys »Farbstudie – Quadrate mit konzentrischen Ringen« (1913) inspiriert (ausgestellt im Lenbachhaus). »[…] es gibt Orte mit Überblick aber auch des Rückzugs. Damit eröffnet der Garten über die rein formale Ähnlichkeit mit dem Kunstwerk aus der Vogelsicht hinaus eine zusätzliche Raumerlebnisschicht für neugierige und spielerische Entdeckungen. Eine Begabung, die unbedarften Kindern noch eigen ist, die Künstler wie Wassily Kandinsky in ihrem Schaffen leben und die nicht mit dem Erwachsenwerden verloren gehen sollte.« Robert Wenk, ver.de
- Bild 2: Der Spielplatz in der öffentlichen Grünanlage »Berliner Viertel« nimmt Bezug auf das Gedicht »Das Samenkorn« von Joachim Ringelnatz (1910). »Die zerstreuten Stämme und Findlinge im Sand und der gleich einem Baum gestaltete Spielturm geben keine festgelegten Spielfunktionen vor, sondern lassen Raum für freies Bespielen. Sie gleichen einer „Schwemmlandschaft“, die nach starkem Regen im Bereich eines Vogelnestes entsteht.« Robert Wenk, ver.de
Das Samenkorn
Von Joachim Ringelnatz»Ein Samenkorn lag auf dem Rücken,
Die Amsel wollte es zerpicken.
Aus Mitleid hat sie es verschont
Und wurde dafür reich belohnt.
Das Korn, das auf der Erde lag,
Das wuchs und wuchs von Tag zu Tag.
Jetzt ist es schon ein hoher Baum
Und trägt ein Nest aus weichem Flaum.
Die Amsel hat das Nest erbaut;
Dort sitzt sie nun und zwitschert laut.«

POI Künstlerateliers
- Im Schwabinger Tor Stadtquartier befindet sich ein von den super+ Studios (Künstlerkollektiv bestehend aus Alexander Deubl, Christian Muscheid und Konstantin Landuris) geführtes Künstleratelier super+ Ateliers@schwabingertor (Liste aktueller Residents)
- Ein sich direkt an das Schwabylon-Hochhaus 206 anschließendes Verwaltungsgebäude (Leopoldstraße 202a) wurde zur Zwischennutzung jahrelang als zweites Atelier unter dem Namen super+ Ateliers @TROPIKA betrieben (Liste ehemaliger Residents). Das Gebäude wird seit 2025 kernsaniert und zu Eigentumswohnungen (Leoniq 202a) umgebaut.




Ausblick Funkhaus SCHWABYLON
Blicken wir zum Schluss von den Balkonen und öffentlichen Dachterrassen des Viertels in Richtung Westen – dieselbe Richtung in die auch der Taubenkönig am Ende von Kapitel 3 vom Dach des Hochhauses 206 blickt und dessen Bild auch das Motiv der Briefmarke von Heft #3 prägt. Nehmen wir uns am Ende des Schwabylon-Spaziergangs die Utopie des Architekten Justus Dahinden zu Herzen und ein Stückchen seiner Ideen mit nach Hause und schaffen auch in unseren Stadtvierteln einen Ort, an dem Grenzen, Klassenunterschiede und Sprachverwirrung überwunden werden und das gemeinschaftliche Zusammenleben vor dem Ego jedes Einzelnen steht. Und sollte jemand auf dem Weg dorthin verloren gehen, denken wir an die Worte des Taubenkönigs:
Von Irrlichtern getrieben
Durchwandern wir die Nacht
Und suchen, was wir lieben
– Aus Vorstellung erdacht –
Doch alle Irrlichter zusammen
Ergeben eben auch den Tag
Und plötzlich sehen wir im Lichte
Was einst verborgen vor uns lag
In diesem Sinne wünsche ich euch einen guten Nachhauseweg. Möge euch die Poesie des heutigen Tages auf ständigen Flügeln tragen und euch der Beton in den Beinen die Muskeln für morgen bereiten.
Texte und Bilder (soweit nicht anders angegeben): © Werner Mesch
